Unser Island - Märchen: Die Hochzeit am Seljalandsfoss (und die Bürokratie dahinter)

Unsere unvergessliche Trauung in Island – Zeremonie, Organisatorische Tipps, Locations und atemberaubenden Fotos.

⛰️ I. Die Sehnsucht nach der rauen Schönheit: Warum Island?

Seit Jahren zieht uns die ungezähmte Natur Islands in ihren Bann. Obwohl wir noch nie dort waren, haben uns die Fotos, Videos und Filme in den Sog dieser endlosen, rauen und beeindruckenden Landschaft gezogen. Wir sind Naturliebhaber, fasziniert von den Wasserfällen, den schwarzen Stränden, den Lavafeldern und Vulkanen.

Für uns ist die Wahl eines außergewöhnlichen Ortes fast schon Familientradition: Meine Schwester heiratete am Strand auf Hawaii, mein Bruder gab sich das Ja-Wort auf der Zugspitze, und meine andere Schwester verlobte sich am Strand in Portugal. Das passte perfekt zu uns, denn auch unser Heiratsantrag war schon ein echtes Abenteuer (mehr dazu bald im Blog über die Verlobung auf dem zugefrorenen Meer in Schweden). Für unsere Hochzeit war klar: Es musste ein einmaliger, wunderschöner Ort sein, den nicht jeder hat. Es war mein persönlicher Traum, dort zu heiraten, und meine Frau Monja ließ sich glücklicherweise schnell von diesem Gedanken mitreißen. Ja, kurz gab es den Gedanken an die fehlende Familie, aber die Überzeugung, dass dies unser besonderer Tag an einem besonderen Ort sein sollte, überwog. Wir fanden tausend Gründe für Island – und keinen einzigen dagegen!

Als Datum wählten wir den 23. August 2023, perfekt im Sommer, um die anschließenden Tage und Wochen für einen Roadtrip durch das Land in seiner vollen Pracht zu nutzen.

📜 II. Vom Traum zur Trauung: Die Logistik & Bürokratie-Odyssee

Die Wahl der Location war so einfach wie die Entscheidung für das Land selbst: Wir wollten uns offiziell direkt vor dem majestätischen Seljalandsfoss das Ja-Wort geben.

Was in Island selbst sehr entspannt ablief, wurde durch die deutsche Bürokratie zur größten Herausforderung.

  • Entspannte Isländer: Die zuständige Gemeinde des Wasserfalls teilte uns mit, dass wir uns erst sechs Monate vor dem Termin melden sollten – die Isländer planen nicht so weit im Voraus.
  • Die Anforderungen aus Island: Als es soweit war, schickte uns die isländische Behörde das Marriage Notification Paper direkt zum Ausfüllen zu.
  • Deutsche Hürden: Die isländischen Anforderungen verlangten, dass wir in Deutschland die weiteren beglaubigten Dokumente beschafften: eine notariell beglaubigte Geburtsurkunde, ein Ehefähigkeitszeugnis und eine notariell beglaubigte Kopie unseres Reisepasses (alles ins Englische übersetzt).
    • Die Krux: Das Ehefähigkeitszeugnis durfte für Island nicht älter als 12 Wochen sein. Dies in den engen Zeitrahmen der deutschen Behörden zu quetschen, war ein nervenaufreibendes Planungspuzzle.
    • Da ein Personalausweis nicht reichte, musste Monja noch einen vorläufigen Reisepass beantragen, der dann schnell beglaubigt werden musste.
  • Marriage Document Kleinheinz Iceland

    Schlussendlich waren alle Dokumente erst 13 Tage vor der Hochzeit fertig! Wir schickten diese per E-Mail an das Standesamt und bekamen einen Tag später die entspannte Antwort, dass alles passe und unserer Trauung nichts mehr im Wege stehe. Diese mussten dann im Original mindestens drei Tage vor der Trauung persönlich in Island abgegeben werden.

    Die Planung als Fotograf: Da ich selbst auch als Fotograf fungierte, waren wir strategisch fünf Tage vorher angereist, um die Dokumente abzugeben und das Land schon kennenzulernen. Neben unseren Outfits bestand unsere Ausrüstung aus Kamera, Stativ, Drohne und einer GoPro.

    Monja geführt Philip Augenbinde

    ☀️ III. 10 Minuten bis zum Glück: Der Hochzeitstag

    Am 23. August wachten wir in unserer schönen, privaten Ferienunterkunft auf einem Reiterhof auf. Das Wetter in Island lebt nach dem Motto: „Passt dir das Wetter nicht, warte 10 Minuten.“ Und so war es auch bei uns: Auf Regen folgten Wolken, dann Niesel – und dann, 20 Minuten vor der Zeremonie, klarte der Himmel auf! Die Sonne brach durch und bescherte uns traumhaftes Wetter für den Rest des Tages.

    Islands Zeitgefühl: Schon früh am Morgen merkten wir, dass wir es zeitlich unmöglich schaffen würden, pünktlich zur vereinbarten Zeit zu sein. In klassischer deutscher Manier schrieben wir sofort eine E-Mail an das Standesamt und fragten, wie schlimm es wäre, wenn wir uns um 30 Minuten verspäten würden. Die Antwort war typisch isländisch: "Das ist überhaupt kein Problem, wir erwarten Sie nun um 11 Uhr." Diese Gelassenheit nahm uns den letzten Stress und machte unseren Tag von Anfang an entspannt.

    Für mich begann die Hochzeit schon, als wir uns morgens nur kurz gesehen hatten und ich mich dann von Monja trennte. Ich bügelte meinen Anzug, während sie mit meiner großen Schwester Tina begann, sich fertig zu machen. Tina kümmerte sich liebevoll um sie, machte die Haare und das Make-up, während ich darauf wartete, Monja nicht mehr sehen zu dürfen, bis zum großen Moment.

    Als wir alle fertig waren und ich das Auto vollständig beladen hatte, bekam ich eine Augenbinde aufgesetzt. So wurde ich zum Auto geführt, Monja stieg vorne ein, und wir fuhren zum Standesamt. Dort trafen wir uns mit der Standesbeamtin und setzten die Fahrt zur Location in zwei getrennten Wagen fort: Ich bei ihr, und Monja im anderen Wagen. Während der Fahrt stieg meine Aufregung immer weiter an!

    Wir kamen in zwei Autos am Seljalandsfoss an. Ich und die Standesbeamtin suchten einen schönen Platz mit Blick auf den Wasserfall, vom Weg schnell über den Zaun drüber und hingestellt. Ich hatte das Stativ und die GoPro aufgebaut, die Kamera eingestellt und meinem Trauzeugen in die Hand gegeben. Dann rief mein Trauzeuge meine Schwester an, dass wir bereit seien und sie mit Monja kommen könne. Ein Teil dieser wunderschönen Momente ist übrigens in unserem YouTube-Video festgehalten!

    Der Moment: Ich mit Blickrichtung auf den Wasserfall gewartet, bis meine Frau endlich ankam und mir von hinten auf die Schulter tippte. Als ich mich umdrehte und sie in ihrem wunderschönen, fließenden weißen Kleid sah, war das ein Moment, in dem ich einfach glücklich, fröhlich und komplett überwältigt war. Es war der erste starke und wunderschöne emotionale Höhepunkt.

    Wir standen nebeneinander, mit dem rauschenden Seljalandsfoss im Rücken, lauschten aufmerksam der Standesbeamtin. Die Zeremonie war einfach perfekt: Der Kuss erfolgte bei strahlendem Sonnenschein, umgeben vom Klang des Wasserfalls und den leichten Wassertropfen, die uns erreichten. Unsere Unterschriften besiegelten unser Glück.

    Die Kulisse: Rund um uns herum waren natürlich viele Touristen. Doch anstatt zu stören, wurden sie zu unseren heimlichen Gästen – als wir uns küssten, gab es Applaus von allen Seiten!

    Unmittelbar nach der Trauung: Fotos, Pizza und Softeis-Glück

    Pizza

    Direkt nach der Unterschrift und den ersten Gratulationen starteten wir mit den ersten, dringend benötigten Hochzeitsfotos direkt am und unter dem Seljalandsfoss (hier war es sehr rutschig und nass, weshalb ich Monja überall hin trug, um das Kleid zu schonen).

    Nach all den Emotionen und den ersten Fotos brauchten wir am Mittag eine Stärkung. Wir landeten in einer Pizzeria, wo wir uns ganz entspannt unser Hochzeitsessen gönnten. Danach entdeckte Monja in Selfoss ihre Eisdiele: die unschlagbare Groovis - Ice Cream & Donuts (Google Maps). Softeis mit so vielen bunten und verschiedenen Toppings, dass wir sofort süchtig waren! Von diesem Tag an mussten wir die nächsten Tage mindestens einmal täglich dorthin. Diese Eisdiele wird von uns sehnsüchtig vermisst!

    Eisbecher

    📸 IV. Das Hochzeits-Shooting: Zwischen Lava und Meer (Der Elopement Roadtrip)

    Die isländische Natur ist so vielfältig, dass wir die einmaligen Hochzeitsfotos auf die kommenden Tage unseres Roadtrips ausdehnten.

    Monja trug ein wunderschönes, betont geschnittenes weißes Kleid, das auf dem Boden schleifte, und ich einen türkisfarbenen Anzug. Die Farben hoben sich perfekt vom schwarzen Lava und dem saftigen Grün ab.

    Die Shooting-Orte waren so vielfältig wie das Land:

  • Der schwarze Strand: Wir nutzten die unendliche Weite und Ruhe eines schwarzen Strandes, wo wir komplett alleine waren – ein magischer, intimer Moment.
  • Das Flugzeugwrack: Selbst hier zeigten die Touristen Freude, machten uns Platz und gaben uns die Zeit, die wir für unsere Fotos brauchten.
  • Einsame Straße (später im Trip): Ein perfektes Motiv mit Bergen im Hintergrund, das wir mit Stativ und Selbstauslöser festhielten (die größte Herausforderung war, den Moment zwischen den Autos abzupassen!).
  • Fazit als Fotograf: Die Vielfalt dieses Landes ist unbeschreiblich. Jeder Ort erforderte andere Lichteinstellungen und Kamera-Settings. Aber die Fotos, die dabei entstanden sind – diese unendliche Schönheit an jedem Ort – sind unser unvergessliches Erbe.

    Die isländische Herzlichkeit: Ein unerwartetes Geschenk

    Neben der Schönheit der Natur war die Herzlichkeit der Isländer das größte Geschenk des Tages. Die Frau unserer Ferienunterkunft auf dem Reiterhof, dem Country Dream - Langholt 2, war super nett und umsorgte uns, als sie von unseren Heiratsplänen hörte.

    Als ich am Hochzeitstag fragte, ob wir unser Gepäck bis zum Nachmittag bei ihr lassen könnten, da wir in ein neues Hotel umzogen (2,5 Stunden entfernt), kam das unglaubliche Angebot: Sie bestand darauf, uns die Koffer und das Gepäck persönlich ins neue Hotel zu fahren! Wir nahmen das liebevolle Angebot dankend an – eine Bestätigung dafür, dass Isländer zu den nettesten Menschen der Welt gehören.

    Als wir spät abends nach der Trauung und den Shootings im neuen Hotel ankamen, wartete die nächste Überraschung: Die Rezeption gratulierte uns und teilte uns mit, dass unser Gepäck bereits auf dem Zimmer sei. Doch damit nicht genug: Das Hotel schenkte uns als Hochzeitsgeschenk ein komplettes Abendessen in ihrem sehr guten Restaurant Legendary Nordic Restaurant - Árhús!

    Diese Geschichten haben unsere Reise und unseren besonderen Tag unvergesslich gemacht.

    group photo iceland wedding

    🇩🇪 V. Der finale Schritt: Heimische Bürokratie

    Das Abenteuer war noch nicht vorbei: Die deutsche Bürokratie wartete. Wir mussten ein bis zwei Wochen warten, bis unsere Dokumente in Island übersetzt und in Reykjavík notariell beglaubigt waren.

    Als wir die Originale (auf Isländisch und Englisch) per Post erhielten, ging es zur deutschen Behörde. Nach einigen weiteren Unterschriften waren wir dann auch offiziell in Deutschland verheiratet!

    Street Wedding Photo Iceland

    🎬 VI. Die schönsten Momente in Bewegung: Unser YouTube Video

    Der perfekte Ausblick und das perfekte Ende

    Dieser Tag und die Reise danach waren unvergesslich. Für alle, die die Emotionen, die Atmosphäre und die atemberaubende Landschaft Islands in voller Bewegung erleben möchten, haben wir die schönsten Momente, inklusive der Trauung und dem Roadtrip, in einem YouTube-Video zusammengefasst. Viel Spaß beim Anschauen!

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